![]()
![]()
![]() |
Es stand in
alten Zeiten ein Schloss so hoch und hehr, Dort sass ein
stolzer König, an Land und Siegen reich, Einst zog nach
diesem Schlosse ein edles Sängerpaar, Der Alte sprach
zum Jungen:"Nun sei bereit, mein Sohn! Schon stehn die
beiden Sänger im hohen Säulensaal, Da schlug der
Greis die Saiten, er schlug sie wundervoll, |
| Sie singen von Lenz und
Liebe, von sel'ger goldner Zeit, Die Höflingschar im Kreise
verlernet jeden Spott; "Ihr habt mein Volk
verführet; verlockt ihr nun mein Weib?" Und wie vom Sturm zerstoben ist
all der Hörer Schwarm. |
![]() |
Doch
vor dem hohen Tore, da hält der Sängergreis,
da fasst er seine Harfe, sie, aller
Harfen Preis,
an einer Marmorsäule, da hat er sie
zerschellt;
dann ruft er, dass es schaurig durch
Schloss und Gärten gellt:
"Weh euch,
ihr stolzen Hallen! Nie töne süsser Klang
durch eure Räume wieder, nie Saite noch Gesang,
nein, Seufzer nur und Stöhnen und scheuer Sklavenschritt,
bis euch zu Schutt und Moder der Rachegeist zertritt!
Weh euch, ihr
duft'gen Gärten im holden Maienlicht!
Euch zeig ich dieses Toten entstelltes Angesicht,
dass ihr darob verdorret, dass jeder Quell versiegt,
dass ihr in künft'gen Tagen versteint, verödet liegt.
Weh dir,
verruchter Mörder, du Fluch des Sängertums!
Umsonst sei all dein Ringen nach Kränzen blut'gen Ruhms!
Dein Name sei vergessen, in ew'ge Nacht getaucht,
sei wie ein letztes Röcheln in leere Luft gehaucht!"
Der Alte hat's
gerufen, der Himmel hat's gehört,
die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstört;
nur eine hohe Säule zeugt von verschwundner Pracht;
auch diese, schon geborsten, kann stürzen über Nacht.
Und rings statt
duft'ger Gärten ein ödes Heideland,
kein Baum verstreuet Schatten, kein Quell durchdringt den Sand.
Des Königs Namen meldet kein Lied, kein Heldenbuch;
versunken und vergessen. Das ist des Sängers Fluch.
[Ludwig Uhland]
![]()
home | main index | sitemap | disclaimer | E-cards | guestbook